Die Kachelöfen des Historismus sowie der Gründerzeit
Die Zeit in etwa von 1850 bis 1900 zeigt sich in gewisser Weise zwiegespalten, wie bereits die beiden Begriffe Historismus und Gründerzeit andeuten. Einerseits besann man sich auf die oft nur sprichwörtliche „gute alte Zeit“, vornehmlich auf die weit zurückliegende Antike, andererseits bewirkte die nahende Jahrhundertwende eine allgemeine Stimmung des Aufbruchs in ein neues Zeitalter und zu ebensolchen Ufern.
Kachelöfen aus der Epoche des Historismus
Kachelöfen aus der Epoche des Historismus
In den circa 45 Jahren der Ära des Historismus (1850 bis 1895) wurde die Gesellschaft von einer Durchdringung verschiedenster, lange in der Vergangenheit liegender Epochen erfasst,
was sich selbstverständlich auch in der Kunst und Kultur, und somit auch in der Bau- und Gestaltungsweise der Kachelöfen dieser Zeit niederschlägt.
Einer überaus großen Beliebtheit erfreuten sich damals insbesondere Rückgriffe auf die Gotik, das Griechische, die Renaissance sowie den Barock.
Konsequenterweise präsentieren sich auch die Kachelöfen vielfältig: Rund, eckig und in abgestufter Form gebaut, reichlich angebrachter Schmuck
mit verschieden Motiven aus den betreffenden Zeitepochen wie Säulen, Medusenköpfen und Akanthusblättern, Verzierungen mit Wasserwogen und Perlstab
sowie die wahlweise einfarbige oder bunte Glasur und Vergoldungen beweisen die damalige Bandbreite in puncto Außengestaltung der Kachelöfen.
Repräsentation spielte im Historismus eine herausragende Rolle für Adel und Großbürgertum,
dadurch wurden in Villen und Stadtwohnungen meist mehrere Kachelöfen errichtet.
Kachelöfen aus der Gründerzeit von 1880 -1900
Die sogenannte Gründerzeit bezeichnet die zwanzig Jahre vor der vorletzten Jahrhundertwende. In dieser Zeit, also zirka von 1880 bis 1900,
fasste eine wirtschaftlichen Blüte und mit ihr eine industrielle Fertigungsweise – auch im Bereich Kachelofenbau – Fuß.
Zeugen dieser Entwicklung sind maschinell hergestellte Kacheln,
außerdem wurde in der Wiener Gegend aufgrund des hohen Bedarfs die Glasur teilweise durch die billigere Engobe ersetzt.
Innovative Formen wurden gesucht und in Form von romantischen Rückgriffen auf vergangene Zeiten gefunden. Geradlinigkeit spielte eine große Rolle,
weshalb sich folglich auch die Gründerzeit-Kachelöfen bzw. Mittelsimsöfen dargestellt präsentieren.
Als weitere Elemente ist die Verwendung von unterschiedlichen Kachelformaten, sowie verschiedenartigen Dekorationen mit Blumenmotiven
und Ornamenten, häufig wurde ein ausladender Sockel und Mittelgesimse mit dezenter oder prachtvoller Verzierung verwendet.
Durch Verwendung heller oder dunkler Glasurausfarben bekamen die Kachelöfen ein individuelles, verschiedenartiges Aussehen,
das Abschlusshaupt stellt dank seiner typischerweise ausladenden Fertigung den überaus üppig verzierten Höhepunkt dar.